Wir scheinen nur in einer Welt zu leben, die von allen guten Geistern verlassen ist. Es ist aber vielmehr, so sollte klar sein, immer nur unser Blick, der ungeschärft für den Zauber des Augenblicks ist. Kunst ist in diesem Fall die Fähigkeit der, tja, nennen wir es ruhig Schleierlüpfung.
In den Werken des Künstlerduos Willster beginnt ein solcher Moment mit einer Irritation, einem sanften Nackenschlag.
Irgendetwas stimmt nicht, irgendetwas widerspricht dem gewähnten Sehschemata. Nein, es ist nicht das augenfälligste Merkmal der Bilder, das hier Fotografie (Urs Kuester) mit Malerei (Ulrike Willenbrink) verbunden wird. Und es ist auch nicht der Umstand, dass hier technisch brillant verwoben wird, denn dafür ist die Schnittstelle zwischen den beiden künstlerischen Ebenen viel zu deutlich, vertikal gar meist. Es ist vielmehr das Gefühl, das im Kontext geblieben, dieser aber gedreht wurde.
Die vor langer Zeit von Urs Kuester begonnenen Bild-Geschichten erzählt Ulrike Willenbrink weiter. Die Farbe gewordenen Ideen aus Willenbrinks Kabinett schlüpfen wie Kobolde in die andere Welt hinüber. Sie nimmt Fäden auf, spinnt neue und reicht sie mit einem Lächeln weiter.
Es tut Willster nicht leid, damit ist ihr Teil der Schöpfung vorbei. Der andere Part der Kreativität ist - wie immer - vom Betrachter zu erbringen. Er darf sich auf etwas einlassen, dessen Ausgang unklar ist. Für manchen Gefährten der zielorientierten Gesellschaft ist das ein Graus, auf die anderen wartet die Belohnung: Am Ende des Erzählstrangs steht die eigene Geschichte, in der emotionale Bejahung mit ironischem Tiefgang spielt.
Dr. Jörg Auf den Hövel
Weitere Informationen zu den Künstlern:
www.willster.de
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